Ochse mit Flöte spielendem Knaben auf dem Rücken | Nakao Sōami (attr.) 中尾相阿弥(伝) | 1459-1525 |

Ochse mit Flöte spielendem Knaben auf dem Rücken | Nakao Sōami (attr.) 中尾相阿弥(伝) | 1459-1525 |

Das Bild kann nicht mit Sicherheit Sōami zugeschrieben werden; die Nachforschungen bei dem schlecht lesbaren Stempel ergaben kein eindeutiges Resultat. Ein Hinweis auf die angenommene Autorschaft stammt von der Schachtelbeschriftung, was für eine faktenbasierte Authentifizierung reichen muss. Vom sinisierenden Stil her ist aber die Autorschaft von Sōami einleuchtend und vom Zustand des Papiers her ein angenommenes Alter von ca. 500 Jahren durchaus überzeugend. Sōami, als Nachfolger seines Großvaters Nōami, war bekannt als Kunstkritiker und Kenner chinesischer Malerei in den Diensten des Shoguns. Er selber schulte sich an den großen chinesischen Malern der Sung-Zeit wie Muqi Fachang (1210-1269) und Ma Lin (1180-1256) und eignete sich deren Stile an.

Das Motiv des Ochsen mit dem Flötenspieler stammt aus der Serie von den „Zehn Episoden“ einer Zen-Parabel: Mit der Geschichte, wie ein Hirte einen Ochsen sucht, findet, fängt ihn bändigt, wird das Suchen der Wahrheit und das Streben nach Erleuchtung bildhaft erklärt. In der 6. Episode setzt sich der Hirte die Flöte spielend auf den Ochsen und reitet glücklich nach Hause im Bewusstsein, dass er sich den Ochsen zu eigen gemacht hat. Doch dann folgen noch die entscheidenden vier Episoden, die das Loslassen des erworbenen Ochsen beschreiben und somit die eigentliche Annäherung an das Ideal der Zen-Meditation.

Die Montierung ist antik, aber vermutlich höchstens partiell aus dem 15. Jahrhundert (ichimonji d.h. die Goldbrokat-Leiste über und unter dem Bild). Sie ist aber insgesamt sehr stimmig und stilgerecht, so dass  trotz kleiner Mängel von einer Neumontierung abgesehen wurde.

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