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Guignard Kyoto Collection

Blaue Winden | Kikuchi Hōbun 菊池芳文 | 1862-1918

Blaue Winden | Kikuchi Hōbun 菊池芳文 | 1862-1918

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Kikuchi Hōbun wurde in die berühmte Malerfamilie Kikuchi adoptiert, da er schon früh außergewöhnliches Talent zeigte. Er hatte berühmte Lehrer und wurde selber Professor an der Städtischen Kunstschule in Kyoto. Er stellte mehrere Male an den repräsentativen Kunstausstellungen (bunten) aus und wurde als Juror geschätzt. Trotz seines Jahrgangs ist Hōbun kein „moderner“ Maler in seiner Zeit; er ist vollkommen in der Klassik der Shijō-Schule verwurzelt. Für seine Virtuosität in diesem Stil wurde und wird er noch heute sehr geschätzt.

Winden sind in Japan seit alters ein klassisches Blumenthema. Sie haben den charmanten Namen asagao „Morgengesicht“, da sie mit den ersten Sonnenstrahlen ihre Blüten öffnen. Sie schließen sich bereits oft wieder gegen Mittag, womit sie in der Dichtung ein Symbol von „Vergänglichkeit“ mujō wurden. Dunkelblaue Winden sind seit dem 8. Jahrhundert in Japan bekannt. Sie waren damals noch klein und wurden erst im 17. Jahrhundert gezüchtet. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem richtigen „Winden-Boom“, als 1854 der Bildband 朝顔三十六花撰 „Asagao sanjūrokkasen“ („Auswahl von 36 Winden“) veröffentlicht wurde. Dabei unterschied man zwischen fünf verschiedenen Blaustufen – von Hellblau bis Preußisch-Blau.

Die klassische Komposition dieses Winden-Arrangements ist als Dreieck (leicht angehoben) in die rechte untere Ecke platziert. Sie besteht aus zwei Gruppen von je drei Blüten. Der Maler wusste, dass das frische Blau für ein helles, leichtes Sommer-Bild zu intensiv sein könnte.  Betrachtet man die Blüten genau, sieht man gleich, dass er nur an wenigen Stellen, das starke Dunkelblau der Blumen wiedergibt - an den meisten Stellen wird diese Farbe nur sensibel angedeutet.

Zu dieser souveränen Bildgestaltung kommt hinzu, dass mit den relativ dunklen, klar formulierten Blättern (deren Farbe hier wohl aus Gründen der Dezenz vom Grün ins Braungraue übersetzt wurden) eine wirkungsvolle Bildbalance erreicht wurde.

Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man eine Laub-Heuschrecke kirigirisu; sie ist (wie auch die Winde) in der Dichtung ein kigo, das heißt, ein Jahreszeitensymbol für den August, der im klassischen Japan bereits als „Frühherbst“ galt.

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