Guignard Kyoto Collection
Hase im Herbstgras 秋草の兎 | Konoshima Ōkoku 木島桜谷 | 1877-1938
Hase im Herbstgras 秋草の兎 | Konoshima Ōkoku 木島桜谷 | 1877-1938
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Konoshima Ōkoku war zu seiner Zeit ein hoch angesehener Maler; sein Interesse an historisierender Malerei (wie sie im späten 19.Jahrhundert auch in Europa im Schwange war) ließ ihn seit seinen letzten Lebensjahren (als nicht mehr zeitgemäß) etwas in Vergessenheit geraten. Doch wenn man sich auf seine Tierbilder und seine Landschaftsmalerei konzentriert, verschwindet jegliches Gefühl von passé. Das hat man neuerdings auch in Japan wieder erkannt und hat große Ausstellungen von ihm in Kyoto (2013) und Tokyo realisiert (2014).
Konoshima Ōkoku war ein intelligenter und gebildeter Maler; die Chance, dass er Dürers berühmten Hasen gekannt hat, ist durchaus denkbar. Die beiden Bilder haben die Dreiviertelansicht des Kopfs und die schräg ins Bild gesetzte Position des Hasen gemeinsam. Wie Dürer versuchte auch Ōkoku auf seine Art, mit seinen malerischen Mitteln, die feine Fellstruktur des Tieres wiederzugeben. Der große Unterschied der beiden Bilder besteht aber im Format – Ōkoku füllt den oberen Teil mit einer wilden Komposition von Susuki-Gras, wie es exemplarisch zu einer japanischen Herbstlandschaft gehört. Darin findet sich rechts eine blaue Blume angedeutet.
Es ist vermutlich ein tsuyukusa (commelina communis), wie es in Herbstgedichten oft als Jahreszeitindikator verwendet wird. Die Blume blüht nur einen Tag und wird deshalb auf Deutsch „Tagblume“ genannt. Diese Kurzlebigkeit verbindet sich mit Herbstmelancholie.
Die zartgrüne Seidenmontierung lässt erst bei genauerem Hinsehen erkennen, wie kostbar der Stoff mit Goldfäden durchwirkt ist. Ōkoku hat sich immer persönlich intensiv mit der Montierung seiner Bilder und auch mit der Gestaltung der Holzschachtel beschäftigt, in der das Bild aufbewahrt wird.
