Guignard Kyoto Collection
Kalligrafie Jeder Tag ein guter Tag | Higuchi Oyama 樋口尾山 | 1895-1987
Kalligrafie Jeder Tag ein guter Tag | Higuchi Oyama 樋口尾山 | 1895-1987
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Der Kalligraf Higuchi Oyama ist kein Zen-Priester, aber er war fasziniert von dem einfach wirkenden Spruch, den viele Zen-Priester als religiöse Sentenz kalligrafiert haben. Ein sofort erkennbares Detail, dass wir es hier mit einem Mann zu tun haben, der virtuos die Pinselkunst beherrscht, der aber kein Priester ist, zeigt sich im Papier, das er wählte. Das Papier hat eine feine, leicht reliefartige Musterung, die man zunächst übersieht. Der Künstler wählte dann mit Absicht eine dünnflüssige Tusche, damit die dekorative Oberflächen-Struktur des Papiers sichtbar wird.
Die Kalligrafie ist nicht nur kunstvoll in der Vertikalen zentriert, auch die Dimensionierung der Zeichen ist gut ausbalanciert. So sind das dritte Zeichen 是 und das vierte Zeichen 好 groß und ausführlich gestaltet, während das oberste und unterste Zeichen 日klein gehalten sind. Wie auch bei entsprechenden Zen-Kalligrafien werden diese zwei Zeichen etwas unterschiedlich gemalt. Beide heißen Tag, doch beim ersten fehlt quasi der untere Querstrich – der Mittelstrich ist dafür so schräg gesetzt wie die darunter markierten zwei parallelen Kurzstriche, die eigentlich ein Wiederholungszeichen darstellen (anstatt 日日, schreibt man 日々). Aus dieser Situation heraus schreibt der Kalligraf im ersten Zeichen den Mittelstrich bereits so schräg wie die Wiederholungs-Zeichen darunter und intensiviert mit dieser ruhelos anmutenden Formulierung natürlich die Aussage von „Jeder Tag“ oder „Tag für Tag“.
Am Schluss jedoch hält sich Higuchi Oyama an die kanonisierte Schreibweise für 日, denn hier endet die ganze Sentenz.
