Guignard Kyoto Collection
Reiher im Schilf | Kanō Tsunenobu 狩野常信 | 1636-1713
Reiher im Schilf | Kanō Tsunenobu 狩野常信 | 1636-1713
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Kanō Tsunenobu gehört zum „blauen Blut“ der Kanõ-Dynastie, die seit dem 15./16. Jahrhundert die größte und einflussreichste Kunstinstitution Japans war. Sein Onkel war der zu Beginn des 17. Jahrhunderts alles überragende Kanō Tanyū, und er selber wurde (nachdem er 14-jährig sich den Künstlernamen zulegen durfte!) der Leiter der Kobikichō-Werkstadt in Tokyo - der ersten Adresse für die Militär-Aristokratie, um Kunst zu kaufen.
Das Thema des Reihers, der reglos auf einem Bein steht und auf Beute wartet ist denn auch ein Thema, das ein Samurai sehr liebte. Es drückt in erster Linie Konzentration, aber auch Aushaltevermögen und Zielstrebigkeit aus, was zu den Idealen eines Ritters gehörte.
Die Umgebung wird nur markiert; ein paar verdorrte Schilfstauden weisen auf die Jahreszeit von kaltem Herbst oder Winter hin, und ein paar wenige gewellte Linien lassen uns das Wasser sehen, in dem der Vogel steht. Der weiße Reiher selbst ist, abgesehen von wenigen Strichen, die das Gefieder akzentuieren, nicht gemalt, sondern nur aus einer grauen Umgebung ausgespart, die kalten Nebel suggeriert.
Es gehört zur Virtuosität im Umgang mit formalen Mitteln, dass fast ausschließlich nur die rechte Hälfte des Bildes bemalt ist. Die linke Hälfte dient als „Leere“, in der die existentiellen Vibrationen der angespannt auf Fischfang ausgerichtet Figur ausschwingen kann.
