Guignard Kyoto Collection
Shōtoku Taishi als Sechzehnjähriger 聖徳太子 | anonym | ca. 1850
Shōtoku Taishi als Sechzehnjähriger 聖徳太子 | anonym | ca. 1850
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Es gibt keinen Japaner, der nicht Shōtoku Taishi (607-672) kennte. Früher zierte sein Konterfei die 10.000 Yen Note. Jedes Jahr anfangs April findet im Tempel Shitenō in Osaka die großartigste Aufführung von Hoftänzen bugaku im Rahmen einer bedeutenden buddhistischen Zeremonie zu Ehren seines Todestages statt.
Shōtoku Taishi gilt als der politische und geistige Vater der japanischen Nation. Bevor Japan den Anschluss an die Weltkulturen von China (und Korea) fand, war es eine Inselgruppe, die aus hunderten von kleinen Fürstentümern bestand. Shōtoku Taishi hatte das Ziel, ein übergeordnetes Staatsgebilde zu schaffen, das fähig werden sollte, das Kulturniveau Chinas zu erreichen. Er wusste, dass der Schlüssel dazu der Buddhismus war. In diesem Bewusstsein förderte er in großem Maße diese Religion, denn mit dem Buddhismus wurden nicht nur eine neue Welt-Erklärung und Metaphysik nach Japan eingeführt, sondern auch Wissenschaften wie Medizin, Ingenieurwesen, Architektur und diverse Künste.
Die Verehrung für diesen Kultur-Vater der Nation ging so weit, dass man ihn als Wunderkind verehrte - schon als Knabe soll er außerordentliche Fähigkeiten bewiesen haben. Als Sechzehnjähriger soll Shōtoku Taishi für seinen kranken Vater, den Tennō Yōmei, gebetet und für ihn im Tempel Räucherwerk angezündet haben, was als konfuzianistische Sohnes-Tugend (孝kō) gegenüber dem Vater Vorbildcharakter hatte. In diesem Porträt trägt er ein Räuchergefäß, wie es heute noch von buddhistischen Priestern benutzt wird. Seine Haare sind als Knabenfrisur aufgesteckt, um zu betonen, dass es sich hier um einen Jüngling und noch nicht um den erwachsenen Staatsmann handelt.
Die hohe Verehrung, die Shōtoku Taishi zuteil wird, erkennt man auch an dem Podest, auf dem er steht: die Basis wirkt fast wie ein Altaraufsatz.
Das Bild war beschädigt, alle Goldpartien mussten ersetzt werden. Besonders kostbar ist die originale Seidenmontierung - sie ist von unüberbietbarem Prunk - und die Rollenaufsätze sind mit fein getriebenem Messing verziert. Sehr speziell ist auch die Originalschachtel: sie ist aus Ebenholz (kokutan), dem teuersten Holz Japans, gefertigt.
