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Guignard Kyoto Collection

Spatzen und Schildkröten 雀と亀 | Nagasawa Rosetsu 長沢芦雪 | 1755-1799

Spatzen und Schildkröten 雀と亀 | Nagasawa Rosetsu 長沢芦雪 | 1755-1799

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Nagasawa Rosetsu war zwar ein Starschüler von Maruyama Ōkyo (1733-95), dem Malergenie des 18. Jahrhunderts, gehörte aber mit den zwei andern Malern Itō Jakuchū und Soga Shōhaku zu den „Drei Exzentrikern“ des 18. Jahrhunderts, die ästhetisch eine Gegenposition zur gefälligen Verbindlichkeit von Ōkyo einnahmen. Wie diese Kollegen experimentierte Rosetsu auch mit unvertrauten Bildkompositionen und oft extrem expressionistisch zu nennenden Ansätzen.

Dieses Bild gibt/gab es in einer fast identischen Variation (beim Kunsthändler Seto in Kyoto, s. links, Zitat), seine Authentizität hier ist gesichert mit einer Inschrift auf der Innenseite des Bilderschachtel-Deckels seines Adoptivsohnes Nagasawa Roshū (1767-1847) und des bedeutenden Malers Kawabata Gyokushō (1843-1913).

Mehrere Aspekte dieses Bildes sind ungewöhnlich und originell. Speziell ist ein riesiger Felsbrocken, der das Zentrum des Bildes beherrscht; die lebendig erfassten schwatzenden Spatzen darauf sind typisch für den Realismus, den Rosetsu seinem Lehrer verdankte.

In der unteren Region des Bildes schwimmt im Wasser eine Schildkröte. Ihr Vogel-Korrelat wäre eigentlich nicht der Spatz, sondern der Kranich. Eine solche Motiv-Kopplung ist also recht ungewöhnlich.

Ebenfalls ein Moment des Ungewohnten ist das Rosenmotiv in der Mitte rechts: Rosen werden in klassischer japanischer Kunst selten gemalt. Hier dienen sie offensichtlich als Farbakzent, um das fast bedrohliche Grau des Felsens auszubalancieren.

Das ist ein Bild, über dessen Motivik man sich keinen Vers machen kann – aber gerade solches Ausscheren liebten die „Exzentriker“, unter denen Rosetsu allerdings der am wenigsten waghalsige war.

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