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Guignard Kyoto Collection

Tanzaku, Gedicht von Fujiwara no Tameie 藤原為家 (1198–1275) | Gokashiwabara Tennō 御柏原天王 | 1464-1526

Tanzaku, Gedicht von Fujiwara no Tameie 藤原為家 (1198–1275) | Gokashiwabara Tennō 御柏原天王 | 1464-1526

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Kaiser nahmen bereits in der Muromachi-Zeit (1336-1573) vorwiegend zeremonielle Aufgaben wahr. Die politische Macht lag zunächst in den Händen von Shogunen, die – wie es der Epochenname verrät – im Muromachi-Viertel von Kyoto residierten. Zur Zeit von Gokashiwabara-Tennō war aber sowohl der Hof wie das Shogunat (nach dem verheerenden Ōnin-Krieg 1467-1477) in übler finanzieller Verfassung; Gokashiwabara Tennō musste 21 Jahre lang warten bis das Geld zusammengetragen war, um seine Inthronisierungs-Feierlichkeiten abzuhalten und zu bezahlen.

Doch letztlich änderten diese wirtschaftlichen Verhältnisse, wenn sie nicht ganz ins Extrem abglitten, nichts an der traditionellen Lebensführung des Hofs. Höflinge und Kaiser dichteten oder musizierten, besuchten im Frühling Orte mit blühenden Kirschbäumen und im Herbst jene mit roter Laubfärbung, und sie lebten von Schrein- und Tempelfesten, wo ihre Gegenwart gefragt war. Sie pflegten seit Jahrhunderten nicht nur einen eigenen Lebensstil und eine kunstvolle Sprache, sondern auch eine eigene Mal- und Kalligrafie-Tradition.

Dieses Tanzaku (ein traditionelles von der Größe her festgelegtes festes Papier – später auch ein Karton) weist auf die hohe literarische Bildung des Kaisers Gokashiwabara hin. Er kalligrafiert ein Gedicht von Fujiwara no Tameie, das im Ergänzungsband (!) einer kaiserlichen Gedichtsammlung stand (Zoku Shūi Wakashū, 1270):

新玉の年は一夜を隔てにて/今日より春と立つ霞哉 Aratama no toshi wa hito yo o hedate nite / kyō yori haru to tatsu kasumi kana   

auf Deutsch:

Nur eine Nacht trennt das alte Jahr vom neuen, und schon erhebt sich Frühlingsdunst.

Das Papier ist nach einer alten Technik, die Jahrhunderte zurückreicht, dekorativ eingefärbt. Den Schriftzug langsam mit den Augen verfolgend kann man von Zeichen zu Zeichen zunehmend die Eleganz eines höfischen Lebensgefühls empfinden. Die komplizierten chinesischen Zeichen (kanji), die sich von den fließenden Silbenzeichen (kana) eigentlich deutlich unterscheiden, werden hier alle in einen angenehm atmenden Fluss von dickeren bis hauchdünnen Pinselschwingungen tanzend über das Tanzaku-Format geführt.

Auch die alte Montierung ist bemerkenswert – möglich, dass sie aus dem 16. Jahrhundert stammt. Auffällig ist, dass der kostbare Seidenbrokat anscheinend nicht in großen Einzelteilen vorhanden war – man musste sowohl oben wie unten kleinere Teile zu einer breiten Leiste zusammenfügen.

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