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Guignard Kyoto Collection

Trockenfisch mit Mäuschen | Nagasawa Rosetsu 長澤芦雪 | 1754-1799

Trockenfisch mit Mäuschen | Nagasawa Rosetsu 長澤芦雪 | 1754-1799

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Der alles überstrahlende Maler seiner Zeit, Maruyama Ōkyo (1733-1795), hatte viele ausgezeichnete Schüler, die seine Kunst weitertrugen. Das ganze 19. Jahrhundert zehrte noch von seinen großen Leistungen als Realist und als Maler mit einem Hang zur Idealisierung. Ein solches Genie ruft aber auch Gegenreaktionen hervor. Man spricht von drei Exzentrikern jener Zeit - Soga Shōhaku, Itō Jakuchū und Nagasawa Rosetsu, die je eine andere Gegenwelt aufbauten. Rosetsu konnte – als direkter Schüler von Ōkyo - seinem Drang, eigene bisweilen auch groteske Wege zu gehen, nicht so leicht nachgeben. Viele seiner Bilder verraten seine Herkunft der Maruyama-Schule. Doch wenn er sich dann in einzelnen Bildern ganz auf sich selber besann, wurde eine große, eigenständige expressive Kraft frei.

Das ist bei diesem riesigen, getrockneten und am Schwanz aufgehängten Fisch eindeutig der Fall. Es gibt das Motiv auch von Ōkyo (s. unten). Doch hier lässt sich nun Rosetsus Ausdrucks-Potenz klar ermessen: Ōkyo stellt den Fisch liegend (in Ruhe, d.h. undramatisch) dar. Auch sein Pinselstrich ist zwar für seine Verhältnisse frei, stellenweise fast skizzenhaft ungezügelt. Doch Rosetsu übertrifft seinen Lehrer mit einem wilden unbändigen Strich. Der Fischkopf weist einen schrecklich verzerrten Ausdruck auf, wie ihn der geschmeidige Ōkyo nie angestrebt hat.

Typisch für Rosetsu ist der Witz, das Grauen im Gesicht des Fischs mit einem herzig knabbernden, rosa-beohrten, und einem kontemplierenden Mäuschen, das wir nur von hinten sehen, zu kontrapunktieren - auch das ein Bildeinfall, den wir bei seinem Meister Ōkyo nie finden.   

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