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Guignard Kyoto Collection

Chinesischer Mörser 唐臼 | Seisetsu Shūcho 誠拙周樗 | 1745-1820

Chinesischer Mörser 唐臼 | Seisetsu Shūcho 誠拙周樗 | 1745-1820

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Seisetsu Shūcho, der auch Daiyu Kokushi genannt wurde, war ein hoch angesehener Zen-Priester, Künstler und Schriftsteller. Er galt als wichtige Persönlichkeit für den Wiederaufbau und die Wiederbelebung des zweitgrößten Zen-Tempels in Kamakura, des Engakuji.

Der Text oben links des bedeutendsten Zen-Patriarchen der Tang-Zeit, der als erster die unmittelbare Erleuchtung satori als das wahre Moment des Zens definierte, ist folgender:

盧公 去後 秋粛々 “Nach Hui-neng (638-713) ist der Herbst still und ruhig geworden.” Damit will Shūcho ausdrücken, dass dieser 6. Patriarch endgültig festgelegt hat, worauf es im Zen ankommt.

Das Motiv der Malerei ist denn auch ein „chinesischer Mörser“ - ein relativ großes, schon im 18. Jahrhundert lange veraltetes Werkzeug, um mochi-Reismehl herzustellen (es wird heute noch in Bangladesh benutzt). Der Mörser ist ein Sinnbild für die Leistung, die ein Zen-Adept erbringen muss, wenn er anstrebt, seine kleinlichen Sorgen so zu pulverisieren, bis sie nur noch Staub sind, den ein Windstoß vertreiben kann. Dabei gilt aber die Arbeit an einem chinesischen Mörser als hart; oft musste sie sogar von zwei Arbeitern geleistet werden.  

Shūcho vereinfacht die Darstellung des bulkigen Werkzeugs - die Mörserwanne selber ist nur ein Kreis, und der lange Querbalken mit dem Mörserkopf ist nicht komplizierter als das Schriftzeichen für die „Eins“. Es scheint mir jedoch bedeutsam für die Parabel, dass das rechte Ende des Querbalkens als Pinselzug strähnig und dünn wird, also leicht wirkt (was zur Folge hat, dass das linke Ende mit dem Mörserkopf umso schwerer aussieht), und dass dieses Ende nicht auf dem H-förmigen Gestell rechts ruht. Da die Arbeitsleistung ja darin besteht, den Balken mit dem schweren Mörserkopf herunter zu drücken (s. Foto), damit der Mörserkopf dann in die Wanne fällt und die Reiskörner zerdrückt, ist das Werkzeug hier im Zustand erfasst, bevor jemand die Arbeit verrichtet hat, und so soll die Malerei auch direkt den Zen-Adepten ansprechen: Ohne deine Leistung passiert gar nichts, und du musst diese Leistung mehrmals unter großer Anstrengung wiederholen,  bis du irgendeinen brauchbaren Effekt erzielst, d.h. bis dein seelisch-geistiger Kleinkram zu Staub zerfällt und du bereit bist, satori erfahren zu können.   

Die Montierung reagiert auf die Schwerfälligkeit des altertümlichen bäurischen Werkzeugs: die gelblichen Brokatstoffe haben Gewicht, das dunkle Blau lastet, und die Rollenaufsätze sind aus Hirschhorn, das nicht leicht und gefällig wirkt wie etwa Elfenbein oder schwarzer Hochglanz-Lack.

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