Guignard Kyoto Collection
Doppelstellschirm Fasanenpaar | Ikegami Shūhō (attr.) 池上秀畝 | 1874-1944
Doppelstellschirm Fasanenpaar | Ikegami Shūhō (attr.) 池上秀畝 | 1874-1944
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Ikegami Shūhō ist vermutlich der Maler dieses Doppelstellschirms, doch die Signatur ist nicht ganz über alle Zweifel erhaben, und so soll das das Werk als „zugeschrieben“ gelten. Das Niveau der Komposition und die feine Ausführung der Details erreichen fraglos das Niveau dieses großen nihonga-Malers. Nihonga heißt eigentlich nur „Japanische Malerei“. Doch dahinter steckt eine Stil-Bewegung, die sich bewusst war, im 20. Jahrhundert allen möglichen Kunsteinflüssen – aus Europa und der eigenen Geschichte – ausgesetzt zu sein und sich deshalb, frei wählend, ein neues japanisches Idiom zu schaffen versuchte. Es ging diesen Künstlern um eine Identitätsfrage: Man wollte weder die eigene Geschichte noch die westliche Kunst repetieren, sondern etwas Eigenes kreieren, das man auf neue Weise „japanisch“ empfand. (In der Regel kaufen Japaner, wenn sie klassische Kunst erwerben wollen, meistens nihonga-Malerei. Die Stilbewegung traf also den richtigen Nerv.)
Die Malerei dieses Stellschirms liegt nun aber sehr auf der klassischen Traditions-Linie. Das große Vorbild aus dem 18. Jahrhundert, Maruyama Ōkyo (1733-1795), ist bei diesem Werk unzweifelhaft vorhanden. Auch Ōkyo schuf Goldschirme mit realistischem Ansatz und reduzierte die Perspektive auf Markierungen.
Auf diesem Doppelstellschirm ist allerdings eine Tiefenwirkung durch die Positionierung dreier Kiefern und der beiden Fasane gegeben. Doch wie bei Ōkyo ist der Boden vollkommen irreal golden. Die Baumrinden hingegen sind aber fast hyperrealistisch wie auch das feine Federkleid der Fasane. Ebenfalls der Tradition verhaftet ist das Verhältnis der beiden Vögel. Nicht nur der Farbenunterschied ihrer Federn verrät das Geschlecht der Fasane: Das Männchen steht vorne, und ruft mutig in die Weite; das Weibchen versteckt sich scheu hinter einem Kiefernstamm und hört nur bewundernd zu… Das ist das klassische Rollenspiel von Mann und Frau, wie man es in der Edo-Zeit (1603-1867) und weit bis ins 20. Jahrhundert in jeder Menschen- und Tierdarstellung in Japan findet.
