Guignard Kyoto Collection
Fußball Kemari 蹴鞠 | anonym | 17. Jh.
Fußball Kemari 蹴鞠 | anonym | 17. Jh.
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Das Fußballspiel ist in verschiedenen alten Kulturen der Welt zu finden. Für Japan ist sicher die antike Version des chinesischen Fußballs ausschlaggebend. Es wurde aber in Japan nie wirklich als Sport betrieben, sondern blieb im Rahmen von bugaku. Bugaku bedeutet „Hoftanz“, wie er im 8. Jh. vom Festland nach Japan eingeführt worden ist. Das Verständnis, dass bugaku nur Tänze seien, ist zu eng; es gibt darunter theatralische Pantomimen als Kurzdramen, und es gibt sportlich anmutende Repertoire-Stücke wie Landhockey oder eben Fußball. Beim Fußball, genannt kemari, sind nur wenige Teilnehmer auf dem Feld beteiligt – hier auf dem Stellschirm sind es vier. Die Fußball-Regeln beschränken sich im Prinzip darauf, dass der Ball die Erde nicht berühren darf. Zur kemari Geschichte in Japan siehe folgenden Link:
www.fifamuseum.com/de/entdecken/fifamuseumplus/blog/origins-kemari-in-japan
Der Stellschirm ist aber nicht nur wegen des Fußballs im Garten eines Palastes bemerkenswert. In der Halle, links des Gartens spielt sich eine Tanzszene ab, die alles andere als höfisch steif ist. Lässig an einen Pfeiler gelehnt spielt ein Dandy die Schultertrommel (eine solche Bequemlichkeit entspricht nicht dem Anstandskodex eines Musikers), und er schaut sichtlich angetan der jungen Tänzerin zu, für die er spielt. Auf der Veranda wurde ein roter Teppich ausgelegt, auf dem ein ebenfalls junger Mann ohne große Anstandsbedenken sich gemütlich räkelt. Diese entspannte Vergnügungsszene bestimmt in ihrer Atmosphäre auch die halb-sportliche Vergnügungsszene draußen im Garten.
Die Gestaltung des Doppelstellschirms ist bemerkenswert. Die Trennung zwischen Garten und Tanzhalle läuft annähernd in einem 45 Grad Winkel über das Format hin. Der gelbe Garten grenzt in starkem Kontrast zum halbdunklen Hallen-Innern. Das Gartendesign beginnt oben rechts und läuft im gleichen Winkel in eine Dreiecks-Bordüre der Bildumrahmung. Diese entwickelt sich auf der rechten Seite, von kostbaren Stickereien verdeckt, zu einem Rautenmuster. Auf der anderen Seite des Bildes finden wir purpurne Seide – die Exklusiv-Farbe für Adlige.
Mit dieser prachtvollen Montierung links und rechts wird also genau angezeigt, wo sich diese beiden Szenen abspielen.
