Guignard Kyoto Collection
Goldlackschachtel für Räucherwerk | anonym | 18.Jh.
Goldlackschachtel für Räucherwerk | anonym | 18.Jh.
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Gold-makie ist die kostbarste Verarbeitung von Lack: auf noch feuchten Lack wird Goldstaub „gestreut“ – makie heisst direkt übersetzt „gestreutes Bild“. Diese Jahrhunderte alte Technik wurde immer mehr entwickelt, so dass wir, wie bei diesem Objekt, auch halb-plastische Gebilde erkennen (z. B. reliefartige Pflaumenblüten). Durch geschickte optische Täuschung haben wir sogar das Gefühl, Tempeldächer ragten aus der Bildfläche heraus. Das Motiv der Dekoration ist der Genji-Roman der Hofdame Murasaki Shikibu (10./11.Jh.). Der Liebesroman ist einer der großen mittelalterlichen Klassiker, den zu kennen immer Bildung verriet. Oft sind bei solchen Genji-Motiven in der Malerei und im Kunsthandwerk spezielle Kapitel oder Szenen angesprochen. Bei diesem Objekt erkennen wir neben der Palastarchitektur und den Steingärten mit Felsgebilden - und einem (für Villen aus der Heianzeit 794-1185) obligaten Bächlein - die drei Pflanzen, die mit ihrem Symbolgehalt (von „Langes Leben“/Flexibiltät und Neubeginn) für Neujahrsfeiern unabdingbar sind: Kiefer, Bambus und Pflaumenblüte. Damit erschöpft sich aber schon ein direkter inhaltlicher Konnex zum Genji-Roman.
Diese Lackschachtel diente zur Aufbewahrung von Räucherwerk. Der Umgang mit unterschiedlich duftendem Räucherwerk hat religiösen Ursprung: Jeder Tempel hatte (und hat) seine eigene Räucherwerk-Duftnote. Daraus entstand ein Zeitvertreib in adligen und später in besseren Bürger-Kreisen, bei dem die Erkennung von Räucherwerk zum Wettbewerb wurde, den man mit literarischen Kenntnissen verband. Noch heute gibt es solche Veranstaltungen, deren zeremonielle Durchführung (kōdō 香道) einer eleganten Teezeremonie in nichts nachsteht.
