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Guignard Kyoto Collection

Kalligrafie 雲門云日々是好日 „Das Wolken-Tor sagt: Tag für Tag ist gerade ein Tag, den ich mag“ | Jiun Onkō 慈雲飲光 | 1718-1804

Kalligrafie 雲門云日々是好日 „Das Wolken-Tor sagt: Tag für Tag ist gerade ein Tag, den ich mag“ | Jiun Onkō 慈雲飲光 | 1718-1804

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Jiun Onkō ist heute wohl einer der renommiertesten Kalligrafen (was sich auch in seinem Marktwert niederschlägt). Es gibt eine großartige Publikation „慈雲尊者 心の書 Priest Jiun“, ed. Yomiuri Shinbun, Osaka 2004, die zu seinem 200 Todestag erschien und eine bedeutende Auswahl seiner Kalligrafien zugänglich macht. Das Schriftwerk S. 75 dieses Buchs weist genau den gleichen Text auf wie die vorliegende Kalligrafie. Beide zeichnen sich in der Pinselführung durch eine Borstigkeit aus, die das Kennzeichen dieses Kalligrafen ist; das sind keine eleganten Schriftzüge, sondern Eruptionen von Geist.

Die oft kalligrafierte Sentenz (die zu einem gar nicht einfach umzusetzenden Lebens-Motto werden soll): „Tag für Tag ist gerade ein Tag, den ich mag“ erfährt hier zu Beginn eine Erweiterung durch die Worte „Das Wolken-Tor sagt“.

„Wolken-Tor“ ist der Name einer der Fünf Chinesischen Zen-Schulen, die im 10.Jahrhundert von Yunmen Wenyan gegründet wurde. Ihr Kennzeichen ist die intensive Nutzung von Kōans, das heißt jener unlogischen Sprüche, die dem Meditierenden helfen, Diskursivität zu überwinden - was das wichtigste Ziel der Zen-Meditation ist.

Das ist aber nur die eine Bedeutung von „Wolken-Tor“, die andere könnte poetisch einfach „Durchbruch zur wahren Erleuchtung“ bedeuten. Von der grafischen Umsetzung her ist das zweite Zeichen, jenes für „Tor“ so stark abgewandelt, dass es nur noch wie ein Wolkenfetzen aussieht. Auch das erste, eigentlich recht komplizierte Zeichen für Wolke , ist extrem vereinfacht. Somit mag zunächst vom Priester-Kalligrafen in dieser Kalligrafie wohl eher die poetische Bedeutungsvariante anvisiert sein.

Allerdings ist das dritte Zeichen für „sagen“ sehr klar formuliert, was wieder die erste Begriffsdeutung, d.h. des Namens einer Zen Schule mit ins Spiel bringt… Es ist durchaus anzunehmen, dass der intelligente Priester beide Aspekte von „Wolken-Tor“ in seinem Schriftkunstwerk vereinen wollte.

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