Guignard Kyoto Collection
Kalligrafie Diptychon | Mongolischer Kalligraf 蒙古王 (=“Mongolischer König“) | 20.Jh.
Kalligrafie Diptychon | Mongolischer Kalligraf 蒙古王 (=“Mongolischer König“) | 20.Jh.
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Diese Kalligrafie fasziniert, weil sie voller Rätsel ist. So steht auf den Bildern hinten auf der oberen Leiste eine Inschrift, die man als „Mongolischer König“ (oder „Fürst“, „Prinz“ etc.) übersetzen kann. Der Begriff scheint alt zu sein - er geht bis auf Kublai Khan (1215-1294) zurück und wurde noch im 19. Jahrhundert verwendet. Betrifft nun diese Angabe den Dichter des Texts oder den Namen des Kalligrafen? Nachfragen bei einer Fachperson für mongolische Kultur, die bei der Ausstellung über die Mongolei im Rietbergmuseum (2025-26) mitarbeitete, brachte keine Klärung. In der GUIGNARD KYOTO COLLECTION befindet sich noch eine weitere mongolische Kalligrafie im Stil der „Hundert Varianten für das Zeichen Glück“, wie das in China beliebt war. Daraus kann man nur folgern, dass mongolische Schriftkünstler und -Maler im mehr oder weniger intensiven Einflussbereich chinesischer Kunst standen/stehen.
Spricht man zunächst vom chinesischen Aspekt dieses Diptychons (ist es überhaupt eines, oder sind das zwei gleich gestaltete unabhängige Kalligrafien?) so ist sicher die Montierung stark chinesisch: In Japan nennt man die beiden hellen Streifen außen an den Längs-Rändern der Montierung minchō „Ming-Zeit Bordüre“, womit einfach „chinesische Streifen“ gemeint sind.
Die Stempel sind kaum leserlich, doch bei einem lassen sich darin drei chinesische Zeichen ausmachen 長、書、圖 („lang“ „Schrift“ „Bild“); das vierte wird von einem Pinselzug derart verdeckt, dass es unleserlich bleibt. Es ist zumindest erfreulich, dass diese Zeichen als „langes Schriftbild“ dieser zwei Objekte sinnvoll wären (ob diese Interpretation wirklich zutrifft, ist nicht geklärt).
Wenn es sich um ein chinesisches oder japanisches Diptychon handelt, sind die Unterschriftzeilen je an der Außenseite der Bilder angebracht – hier findet man beide auf der linken Seite.
Die beiden Kalligrafien bestehen je aus vier Zeichen (in China und Japan sind fünf Zeichen ein Standard). Das Auffälligste an dieser Kalligrafie ist der verwendete Pinsel: er läuft nicht in die Spitze, sondern ist vorne quer abgeschnitten. Das ergibt natürlich vollkommen andere Strichwirkungen.
Interessanterweise sind die Zeichen der Signatur mit einem „normalen“ (chinesischen) spitzen Pinsel geschrieben. Das bedeutet, dass die Wahl des vorne horizontal gekappten Pinsels eine originelle künstlerische Entscheidung war, die sich (nach meinem Wissen) nicht an chinesischen Vorbildern orientierte. Einzelne Zeichen wirken vielleicht etwas hart, andere sind aber schwungvoll und von bezaubernder grafischer Eleganz.
