Guignard Kyoto Collection
Kalligrafie Kotobuki 寿 und Fledermaus | Kishi Koma (Ganku) 岸駒 | 1756-1838
Kalligrafie Kotobuki 寿 und Fledermaus | Kishi Koma (Ganku) 岸駒 | 1756-1838
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Kishi Koma ist vor allem als Tigermaler bekannt, da er als einziger und erster Maler einen Tiger im Garten des Shoguns studieren und konterfeien durfte. Er konnte sehr präzis realistisch malen, doch seine Unterschrift zeigt, dass seinem wahren Naturell eine skizzenartig wirkende freie Pinselsprache besser entsprach. Das erkennt man in diesem Bild besonders an der wie hingeworfen wirkenden Pinselspur einer Fledermaus. Fledermäuse haben ein flatterndes Flugverhalten – sie können blitzschnell die Flugrichtung ändern. Für die Darstellung eines solchen Wesens im Flug ist der wilde, freie Pinselduktus sehr passend.
Fledermaus heißt auf chinesisch „biānfú“ und wird mit den beiden je zweiteiligen Zeichen蝙蝠 geschrieben. Beide Zeichenkomplexe beginnen mit dem sog. „Käferradikal“虫, um zu indizieren, dass wir es hier mit einem käferartigen Wesen zu tun haben. Der zweite Teil des ersten Zeichens „biān“ kann „freundlich, weich“ heißen. Der zweite Zeichen „fú“ weist (nach dem Käferradikal 虫) das Zeichen für „Reichtum“ auf. Also: „Wem Reichtum freundlich gesinnt ist, der ist glücklich“ - das ist ein sehr chinesisches Fazit, und so gilt seit alters die Fledermaus als Glückssymbol.
Nur selten wird in einer japanischen Kalligrafie das Zeichen Langlebigkeit kotobuki mit dem chinesischen Glückssymbol der Fledermaus verbunden. Erstaunlich, dass aber Kishi Koma bei einer solchen Kombination mit der Fledermaus nicht die alte (chinesische Aura ausstrahlende) Form von kotobuki benutzt 壽 (die recht kompliziert ist und sehr viel Strichelemente aufweist), sondern die moderne einfache Version 寿 vorzieht. Dies hat vermutlich seinen Grund in der Präferenz des Malers, den Pinsel frei und spontan zu benutzen, und das könnte Probleme geben bei der gewissenhaften kalligrafischen Umsetzung eines Zeichens mit 14 Strich-Elementen…
