Guignard Kyoto Collection
Kalligrafie Wolke 雲-山高無礙白雲飛 | Kōsen Shoton 高泉性敦 | 1633-1695
Kalligrafie Wolke 雲-山高無礙白雲飛 | Kōsen Shoton 高泉性敦 | 1633-1695
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Kōsen Shoton war einer jener Flüchtlinge der Intelligenzia aus China, die Mitte des 17.Jahrhunderts ein Refugium in Kyoto fanden. Es wurde ihnen erlaubt, nach ihren Regeln einen Tempel zu bauen – der Manpukuji zeigt auch heute noch eine andere Struktur als die japanische Tempelarchitektur. Man war dieser Gruppe von chinesischen Vertriebenen sehr wohl gesinnt, denn sie brachten, vor allem in der Kalligrafie, neue Ideen, die von den Japanern enthusiastisch akzeptiert und weitergetragen wurden.
Ein Typ von Kalligrafie, die die chinesischen Priester nach Japan brachten, ist ein Bild eines dominanten Zeichens rechts, das inhaltlich das erste Zeichen der links folgenden kleiner geschriebenen Zeilen ist. In dieser Kalligrafie hier ist es das Zeichen für Wolke. Zen-Mönche lieben das Phänomen der freischwebenden und sich ständig in ihrer Form verändernden Wolke, im Gegensatz zu unbeweglichen Bergen. Der ganze Text heißt:
“Trotz der (hohen) Berge fliegt die weiße Wolke frei “
Damit erklärt sich der freie ungehinderte Fluss des Pinselstrichs von selber. Doch das Zeichen für Wolke als solches trägt in sich nicht den Sinn von Ungebundenheit. In der Druckschrift weist es zwölf Einzelstriche auf 雲, ist also ziemlich komplex.
Es besteht aus einer oberen Hälfte, die “Regen” 雨 und einer untern, die “sagen” 云 bedeutet. Konzentriert man sich nicht auf die Gedichtzeile, sondern nur auf das große Wolken-Zeichen könnte man seinen Inhalt (meteorologisch korrekt!) interpretieren als: „Die Wolke sagt uns Regen an“. Doch man könnte gerade bei dieser Kalligrafie auch zu einer mehr grafisch-formalen Interpretation des Zeichens verleitet werden, die über den Sinn der Gedichtzeile hinausweist: Den oberen Teil empfindet man in seiner freien, wilden Verschlungenheit, als aktives Moment eines Regenfalls – der untere Teil wäre grafisch dann nichts mehr als eine horizontale Basis (vom Kalligrafen auch eindeutig kraftvoll so gemalt), d.h. der Teil 云 hält den Regen 雨 vor dem Fallen auf - mit andern Worten: „Die Wolke verschwindet, wenn der Regen fällt.“ Bewegung und Ruhe stecken von diesem Aspekt her grafisch beide im Zeichen der Wolke, und das ist letztlich ein Überwinden von Dualität, das das das Zen-Denken im Innersten anstrebt.





