Guignard Kyoto Collection
Kinkakuji im Winter 冬景色の金閣寺 | Mori Kansai 森寛斎 | 1814-1894 (gemalt 1869)
Kinkakuji im Winter 冬景色の金閣寺 | Mori Kansai 森寛斎 | 1814-1894 (gemalt 1869)
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Mori Kansai stammte aus einem Samurai-Milieu, doch er erkannte die Zeichen der Zeit und begeisterte sich für die Neugestaltung Japans in der Meiji-Zeit (1868- 1912). Er rechnete sich also (zeitweise aktiv, was ihm Schwierigkeiten bescherte) zum „Kaiser-Lager“. Dieses Bild malte er 1869, ein Jahr nach Beginn der Meiji-Restauration. Diese neue Epoche eines tiefgreifenden Umbruchs (in der Malerei vor allem in der Konfrontation mit europäischer Kunst) hinterließen bei ihm wenig Spuren. Bis an sein Lebensende blieb er grundsätzlich den alten ästhetischen Werten treu und experimentierte kaum.
Das Thema hier ist eine der glanzvollsten Szenerien in Kyoto zur Winterszeit. Der „Goldene Pavillon“, wie der Kinkakuji im Westen genannt wird, ist bis heute ein „Muss“ für jeden Kyoto-Touristen. Die Anlage ist denn auch höchst beeindruckend, da der Pavillon in einen großartigen Landschaftsgarten mit einem Teich und einer sog. „geborgten Landschaft“ (shakkei 借景) der dahinter liegenden Berge eingebettet ist. Gerade in diesem Punkt zeigt sich, wie wenig Mori Kansai an einer „korrekt realistischen“ Vedute gelegen war, d.h. wie sehr er die ganze Szenerie romantisiert. Der große Bergzug hinter dem Pavillon ist (bei allem Einkalkulieren des Maler-Standorts) viel zu hoch. Er dient als Mittel, um Monumentalität und Weite zu suggerieren. Die Schar wegfliegender Vögel darüber, die gegen den oberen Bildrand immer kleiner werden, leisten das Ihre in dem Bemühen, den Bildbetrachter „unendliche Tiefe“ ahnen zu lassen.
Die Geborgenheit des Pavillons durch umrahmende Kiefern ist wohl ebenso eine bildnerische Phantasie – mindestens heutzutage ragen hinter dem Gebäude keine hohen Kiefern mehr auf. Mit solcher Poetisierung befindet sich der Maler ganz in den Fußstapfen des großen Vorbilds Maruyama Ōkyō (1733-1795), der sich selten nur mit bloßem Realismus begnügte.
Doch ein Detail reicht über Maruyama hinaus und verrät ihn als Kenner neuer stilistischer Mittel seiner Zeit: Schnee wurde in der Regel nur durch Auslassung eines Farbauftrags dargestellt, d.h. der helle Bildgrund musste Schnee-Wirkung erzeugen. Das ist auch hier der Fall, doch der Künstler wollte unbedingt auch einige Schneeflocken malen, was mit der Auslassungs-Technik nicht möglich ist. Und so hat er mit kreideweißer Farbe nachträglich weiße Punkte hinzugefügt. Solcher Einsatz von schneeweißer Farbe war damals modern, man findet ihn nur bei den „Avantgardisten“ der Meiji-Zeit - was ja Mori Kansai im Prinzip nicht sein wollte.
