Guignard Kyoto Collection
Kwannon im Fächerformat 観音 | Kanō Eishin 狩野永真 | 1692-1731
Kwannon im Fächerformat 観音 | Kanō Eishin 狩野永真 | 1692-1731
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Das Bild ist nicht signiert, doch es liegt ihm eine Bescheinigung aus dem Jahre 1855 bei, dass es sich um ein Bild von „Kanō Eishin“ handle. Nun gibt es allerdings zwei „Kanō Eishin“, die mit denselben Zeichen geschrieben werden. Ich gehe davon aus, dass es ein Bild des späteren ist, da der frühere seine Malereien fast immer unterschrieben hat. Der spätere Eishin wurde zum 10. Atelier-Vorsteher im Hauptsitz in Edo (Tokyo) und war ein okueshi, d.h. ein offizieller Maler des Shogunats.
Das Reizvolle an diesem Bild ist sicher das Format. Der Fächer als Bildfläche wurde häufig verwendet, doch meistens in horizontaler Lage - kaum je in aufgerichteter Position. Doch die Kwannon fügt sich mit ihrem Sitz auf einem Felsen und mit der Aureole wunderbar in diese Bildform; die Behandlung des Motivs wirkt völlig natürlich.
Man muss sich aber fragen, warum der Maler dieses außergewöhnliche Format gewählt hat. Eine sitzende Kwannon kann man problemlos in ein rechteckiges Hochformat platzieren, wie das oft geschehen ist. Was ist speziell am Fächer, der gleichsam um 90 Grad gedreht wurde? Er hat rechts und links eine geschwungene, eine konvexe und eine konkave Außenlinie. Eine Kwannon entspricht der christlichen Heiligen; sie ist nicht abgehoben im Nirvana, sondern ist noch der Welt zugetan. Sie hilft den Menschen bei kleinen Problemen, d.h. sie kann für alles Mögliche angerufen werden. Oft pflegt sie diese Zugewandtheit durch ein leichtes Beugen ihres Oberkörpers auszudrücken. Der Formatrahmen rechts unterstützt mit seiner konvexen Rundung nun ganz entschieden dieses Hinwenden. Und links erreicht die konkave Biegung den Effekt des Öffnens gegenüber dem Bittsteller: Diese Kwannon wendet sich an die Menschen in einem intensiveren Maß, als wenn sie in einem normalen rechteckigen Format säße.
