Guignard Kyoto Collection
Morgensonne im Pflaumenbaum mit Nachtigall | Nishiyama Hōen 西山芳園 | 1781-1867
Morgensonne im Pflaumenbaum mit Nachtigall | Nishiyama Hōen 西山芳園 | 1781-1867
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Nishiyama Hōen konnte nicht große Karriere machen, da er in Osaka lebte und wirkte, und Osaka galt im 19. Jahrhundert nicht als Kunststadt. Er ging aber in Kyoto beim großen Meister Matsumura Keibun (1779-1843) in die Lehre und gilt als einer seiner besten Schüler. Von Keibun lernte er die Sicherheit der formalen Gestaltung eines Motivs und wurde als Realist geschult – in einer Tradition, die auf den überragenden und Generationen bestimmenden Einfluss des Genies Maruyama Ōkyo (1733-95) zurückgeht.
Nishiyama Hōen ist lieblicher als Keibun – er hat keine Hemmungen, ein verführerisches Rosa für seine Pflaumenblüten zu wählen. Diese Farbe platziert er dann auch auf das gut kontrastierende Grau der Äste und streicht den Charme der Blüten mit zart keimendem Blattgrün heraus. Weiterhin korrespondiert das Rosa der Blüten - farbig leicht abgesetzt - raffiniert mit der roten Morgensonne, die aus Nebelschleiern auftauchend die Äste-Gruppe oben abschließt.
Die interne Anlage der Blütenäste ist den Bildkompositionen von Keibun sehr verwandt: Voller Dynamik beginnt unten rechts ein kraftvoller Zweig, der diagonal das Bild nach links oben durchquert. Wenn der Ast gleichsam den Bildrand erreicht hat, sprießt ein anderer Zweig voller Blüten und Knospen in Gegenrichtung. Er endet ungefähr an dem Punkt rechts, der unten der Stelle entspricht, an der der Hauptzweig entsprungen ist – das schafft als Korrespondenz vertikalen Halt.
Bei Keibun abgeguckt, erscheint in der Mitte ein dünner, etwas unscheinbarer, kaum Blüten tragender Zweig, auf dem in der millimeter-genauen horizontalen Mitte, die Füßchen der Nachtigall sich an den Zweig krallen.
Solche Abmessungen sind Inbegriff klassisch ausbalancierter Komposition.
