Guignard Kyoto Collection
Pfingstrose | Tani Bunchō 谷文晁 | 1762-1840
Pfingstrose | Tani Bunchō 谷文晁 | 1762-1840
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Tani Bunchō ist einer der brillantesten Künstler im frühen 19. Jahrhundert; er war buchstäblich in allen Stilen bewandert wie kaum ein anderer Zeitgenosse.
Kreisbilder sind in Japan nicht so häufig zu finden wie in chinesischer Malerei – wenn dieses Format in Japan gewählt wurde, spürt man oft eine konkrete Anlehnung an chinesische Ästhetik. Dieses Moment ist hier nur insofern auszumachen, als Pfingstrosen in der japanischen Tanz- und Kabuki-Welt der Inbegriff chinesischer Prachtentfaltung sind. Doch beim Künstler Bunchō kann man sich denken, dass er sich ganz einfach überlegte, wie er eine voll aufgeblühte Pfingstrose formal am wirkungsvollsten zur Geltung bringen könnte.
Tani Bunchō wählte das Kreisformat, wusste aber, dass dessen grundsätzliche Problematik im Mangel an innerer Dynamik liegt: das Zentrum eines Kreises saugt alle Kraftströme in sich auf. Es sei denn, man meide mit dem Motiv das Zentrum: Bunchō entscheidet sich hier für die Dynamik-inhärente Spirale, denn er beginnt (das Ziffernblatt zur Orientierung gewählt) bei 5 mit dem holzigen Zweig. Dieser teilt sich bei 6 in zwei Bätterzweige, deren einer links unten Laub entfaltet, während der andere in zwei Zweigen für die Grünblätter-Pracht links und rechts der Blüte verantwortlich ist. Der Hauptzweig trägt dann die Blüte, deren fein strukturiertes Dunkelrosa-Zentrum weder auf der horizontalen noch der vertikalen Zentralachse des Kreises zu liegen kommt. Mit dieser freien, unabhängigen Zentrumswahl der grandiosen weiß-rosa Blüte und mit all den Mikro-Bewegungen der grünen Blätterästchen vibriert diese virtuose Blütenmalerei, ohne vom Format in irgendeiner Weise blockiert zu werden.
