Guignard Kyoto Collection
Pilgerstab | Tōrei Enji 東嶺円慈 | 1721-1795
Pilgerstab | Tōrei Enji 東嶺円慈 | 1721-1795
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Tōrei Enji erhielt schon als Kind eine Mönchs-Erziehung und ließ sich als Rinzai-Priester ausbilden. Mit 23 Jahren wurde er Schüler von Hakuin, der als der große Neuerer der zenbuddhistischen Malerei gilt. Tōrei bezeichnet man zwar als geistigen und künstlerischen Erben von Hakuin, aber er verzichtete auf die manchmal fast groteske textliche und grafische Ausdrucksweise seines Meisters.
Der Pilgerstab eines Priesters ist ein beliebtes Zen-Motiv. Es wird auf die unterschiedlichste Art abgehandelt, obwohl es sich ja eigentlich nur um einen Abwärtsstrich handelt. Ein solcher Stab ist oben knorrig, um der Hand Halt zu geben - sonst zeichnet er sich durch keine Merkmale aus. Für den Maler sind es also nur der Griff und der gerade Stab, die ihm zur Formulierung einer Idee dienen. Das fordert den Betrachter heraus, denn er muss diese beiden Aspekte des Motivs in ihrer Behandlung sorgfältig und wohl überlegt wahrnehmen:
Der Pinselansatz oben in diesem Bild ist gewichtig. Die kleine weiße Öffnung im Knauf lässt sich dahingehend interpretieren, dass Tōrei links beginnend eine halbkreisförmige Bewegung ausführte. Sie half ihm Energie aufzuladen, die er dann, den Pinsel herunterziehend, gleichsam ausschüttelte. Das Schütteln verraten die fünf Wellenlinien links, auf der Daumenseite seines Pinselgriffs, d.h. wo sich die Kraft in der Hand befindet. Diese Kraft schwindet bald - das Maltempo wird schneller, denn der Strich verjüngt sich, und die Tuschespur wird faserig. Doch diesem accelerando folgt bald ein ritardando. Der Strich wird wieder breiter, endet beruhigt und rund mit angenehm weichem Gewicht.
Was drückt dieser Malvorgang aus? Könnten wir den abwärtsführenden Strich in seiner Prozessualität nicht als ein Abbild eines inneren Absinkens, als ein Loslassen von Spannung durch ein Hinuntergleiten in die seelische Basis des Körpers verstehen, wo der Mensch geerdet ist und Ruhe spürt, d.h. in den Ort, wo sich ki 氣befindet (im Sonnengeflecht unter dem Bauchnabel). Mit diesem Loslassen und der Entspannung in der Tiefe ist in Zen-Manier mit einem Strich alles gesagt, worauf es ankommt. Der Spruch links und rechts des Stabes此わろを恐るる人は極楽へ „Wer diesen Stab ehrt, findet den Weg ins Nirwana“ ist also sehr stimmig und sinnvoll.
Die fein gearbeitete Schachtel (innen und außen beschriftet) wurde von dem berühmten Kalligrafen Takeda Mokurai (1854-1930) gestaltet. Sie ist instrumental für den Nachweis der Authentizität dieser Malerei.
