Guignard Kyoto Collection
Schneekiefer | Mori Kansai 森寛斉 | 1814-1894
Schneekiefer | Mori Kansai 森寛斉 | 1814-1894
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Mori Kansai ist der letzte bedeutende Spross der Mori-Malerfamilie, die bis ins 18.Jahrhundert zurückreicht und durch Adoptionen eine Dynastie von großen Künstlern hervorgebracht hat. Kansai war vielleicht die geistig profilierteste Persönlichkeit von allen. Obwohl aus einer Samurai-Familie stammend, war er politisch aktiv für die Rechte des Kaisers (Sonnō Jōi - Bewegung), was ihm Schwierigkeiten mit der Shogunats-Regierung einbrockte.
Er war erfolgreich als Lehrer und eröffnete eine Institution in Kyoto, die die Tradition der Shijō-Schule förderte. Diese Schule geht stilistisch auf das Malergenie des 18. Jahrhunderts, Maruyama Ōkyō (1733-1795), zurück, der mit seinem realistischen Ansatz eine Wende in der japanischen Kunstgeschichte hervorgerufen hatte.
Kansais Winterbild mit einer Schneekiefer steht im direkten Zusammenhang mit Ōkyō, der viele zauberhafte Schneekiefern gemalt hat. Was schon bei Ōkyō besticht, ist nicht nur die realistische Akkuratesse, sondern die gleichzeitige Poetisierung eines dargestellten Motivs.
In diesem Bild geht es ja auch nicht nur um die virtuose Wiedergabe einer verschneiten Kiefer - mit allen Finessen von unter dem Schnee hevorlugenden Nadeln und Ästchen - sondern um die beiden Wesen auf der Brücke, die durch den Schnee stapfen. Ob das Rind mit seiner Schneedecke erschöpft ist, kann man schwer sagen, doch der Bauer, dessen Strohhut und Strohüberwurf mit Schnee bedeckt sind, wirkt mit seinem krummen Rücken müde. Nun ist es Kansais Genie, mit der Gestalt der verschneiten Kiefer Mitleid auszudrücken. Es ist, als ob sich der hohe gekrümmte Baum und seine herabhängenden Äste um die beiden Wesen kümmerten, als ob sie gar nach ihrem Befinden fragten. Sie bilden ganz offensichtlich einen Baldachin, der wie ein Beschützer der zwei leidvollen Wesen wirkt. Die zwei bewegen sich langsam auf einer Brücke, die irgendwo beginnt und im Schnee-Dunst verschwindet. Auch ein solches Detail ist melancholische Winter-Poesie.
