Guignard Kyoto Collection
Traum (Kalligrafie) 夢 | Schmetterling (gemalt) | Daiō Sōgen大綱宗彦 (Abt 435) | 1772-1860 (1759 geschrieben) | Kansō Gitai観宗義諦 (Abt 461) | 1806-1867
Traum (Kalligrafie) 夢 | Schmetterling (gemalt) | Daiō Sōgen大綱宗彦 (Abt 435) | 1772-1860 (1759 geschrieben) | Kansō Gitai観宗義諦 (Abt 461) | 1806-1867
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Dieses Bild ist ein Gemeinschaftswerk von zwei Zen-Priestern, die beide Äbte des Tempelkomplexes Daitokuji in Kyoto waren. Das Zeichen für Traum 夢 wird oft kalligrafiert. Meistens benutzen Kalligrafen die letzten zwei Striche メdes unteren Elementesタ, um mit einem verlängerten Strich in die Tiefe zu gleiten – gleichsam als ein Absinken in die Abgründe der Traumwelt.
In der Kalligrafie dieses Zeichens kommt eine ganz andere Idee zum Tragen. Das Zeichen ist im unteren Teil relativ breit gehalten und oben gewichtig gemalt. Unter dem kalligrafierten Zeichen ist ein Schmetterling gemalt, und es braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass die Kalligrafie sich der Form nach am Schmetterling orientiert.
Was ist der tiefere Sinn davon? Es gibt die berühmte Anekdote von Zhuang-zhi (4. Jh. vor Chr.), in der er erzählt, er hätte geträumt, er sei ein Schmetterling. Als er erwachte, war er enttäuscht, nur Zhuang-zhi zu sein. Doch dann drehte er die Geschichte um, und sagte sich, vielleicht bin ich ja wirklich ein Schmetterling, der träumt Zhuang-zhi zu sein… Diese Geschichte war auch in Japan sehr beliebt, da für Japaner die Frage, was Wirklichkeit und was Schein ist, die Künste durchzieht. Das Noh-Theater basiert grundlegend auf diesem Konzept der Welt-Erkennung. Doch auch in der Dichtung – in kurzen Versen wie in Epen – begegnen wir diesem Wahrnehmungs-Dilemma oft.
