Guignard Kyoto Collection
Zen haboku-Landschaft | Kanō Tanyū 狩野探幽 | 1602-1674
Zen haboku-Landschaft | Kanō Tanyū 狩野探幽 | 1602-1674
Verfügbarkeit für Abholungen konnte nicht geladen werden
Tanyū ist bestimmt die großartigste Künstlerpersönlichkeit der allmächtigen Kanō-Schule im frühen 17. Jh. Er war es, der den neuen Stil der Edozeit (1602-1867) formulierte, und so konnte die Schule auf der Basis seiner Schöpfungen inhaltlich aufbauen und der neuen Kunst-Epoche einen Stempel aufdrücken.
Ein Wesenszug seines Künstlertums ist seine Vielseitigkeit, die auf die Bedürfnisse einer zunehmend bürgerlich werdenden Gesellschaft antwortete. Der stilistische Reichtum seiner Handschrift wurde zum Ideal von Virtuosität für die begabtesten Maler der Epoche.
In diesem Bild ist das Thema die „Zen-Malerei im haboku-Stil“, wie ihn Sesshū im 15.Jh. aus China eingeführt und in Japan zur Vollendung gebracht hatte. Haboku heißt direkt übersetzt: „gebrochene Tusche“. Gemeint ist eine schnell hingeworfene Tusche-Skizze, die eine Zen-Erleuchtung andeutet. Tanyū hatte (anders als Sesshū) nie eine Zen-Schulung genossen, aber sein Genie war so eminent, dass er diesen Zen-Stil trotzdem meisterhaft beherrschte.
Diese kleine Landschaft könnte (zufällig?) aus einem großen Tintenfleck entstanden sein, aus dem dann der inspirierte Maler eine Baumgruppe schuf. Er tat das aber nicht, indem er den Flecken aufwändig bearbeitete. Nein, er fügte nur blitzschnell und mit sicherer Intuition (in verschiedenen Tusche Intensitäten) ein paar weitere Striche hinzu, und plötzlich waren ein Hügel, ein hoher Berg, ein Tempel und ein Fischer auf dem See etc. vorhanden.
Die Gefahr bei solchen Augenblicks-Bildern ist, dass die kaum geplanten Pinselzüge formal keinen Zusammenhang erreichen. Doch gerade dieser Aspekt macht dieses Kleinod so attraktiv. Das Tempo, das Tanyū anschlug, nachdem sich gleichsam ein Tusche-Fleck „ereignet“ hatte, hinderte ihn nicht, ein in sich vollkommen ausbalanciertes Landschaftsbild (zu dem kompositorisch auch Signatur und Stempel zählen) zu kreieren.
