Guignard Kyoto Collection
Zwei Spatzen | Watanabe Nangaku 渡辺南岳 | 1767-1813 | Reisähren auf der Montierung: Nakajima Raishō 1859
Zwei Spatzen | Watanabe Nangaku 渡辺南岳 | 1767-1813 | Reisähren auf der Montierung: Nakajima Raishō 1859
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Watanabe Nangaku gehörte zur Gruppe der „Zehn Besten Schüler“ von Maruyama Ōkyo (1733-1795), der überragenden Maler-Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts. Mit dieser offiziellen Auszeichnung war sein Rang unbestritten. Berühmt wurde er vor allem für seine Frauenbilder und für Bilder mit Karpfen-Sujets.
Hier sind es nur zwei Spatzen, die er zum Thema wählte, doch ihre Lebendigkeit im Ausdruck und die sichere Formulierung des Gefieders mit dem Pinsel sind bewundernswert. Was an diesem Bild aber ganz speziell ist, ist der Einbezug der Montierung in die Malerei. Sein wesentlich jüngerer Kollege, ebenfalls ein namhafter Maler, und Enkelschüler von Ōkyo, Nakajima Raishō, (1796-1871), montierte das Bild wahrscheinlich selbst, 46 Jahre nach dem Tod von Nangaku, und malte Reisähren auf die Seidenmontierung. Er signierte diese Malerei auf der Rückseite des Rollbilds und schuf auch die Schachtel. Im Innern des Schachteldeckels schrieb er eine Reverenz an den dreißig Jahre älteren „Meister“ und bestätigte nicht nur die Echtheit der Spatzen-Malerei, sondern auch seine eigene Malerei.
Die Reisähren ragen von der linken Seite her in die Montierung, verschwinden unter dem Bild und treten unten wieder hervor. Ihr Einfallswinkel entspricht genau der schrägen Linie, auf der die beiden Vögel miteinander parlieren und auf der die Signatur liegt. Raishō hat also ganz klar auf die Komposition von Nangaku reagiert und seine hommage-Malerei bescheiden unter die Spatzen platziert. Bei seiner großen Verehrung für den Meister hätte er es vermutlich nicht gewagt, oberhalb der Spatzen auch noch Reisähren zu malen, obwohl es da viel freien Platz gegeben hätte. Man kann sich gut vorstellen, dass im Alten Japan ein solcher Entscheid eine Frage der Etikette gewesen war.
